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Fehlercodes & Kundendienst

Siemens SIMATIC S7 Diagnose: LED-Anzeigen SF, BF, RUN, STOP

Diesen Artikel mit KI zusammenfassen

Siemens SIMATIC S7 Diagnose: LED-Anzeigen verstehen und Fehler systematisch eingrenzen

Die LED-Anzeigen an einer SIMATIC S7-CPU sind das erste und wichtigste Diagnosemittel bei Störungen. Ein geübter Blick auf das Leuchtfeld reicht oft aus, um die Fehlerursache grob einzugrenzen, bevor man TIA Portal öffnet oder den Diagnosepuffer liest. Dieser Artikel erklärt die Bedeutung der einzelnen LEDs, den Unterschied zwischen Dauerlicht und Blinken sowie den empfohlenen Diagnoseworkflow.

Überblick: Die wichtigsten LEDs an S7-CPUs

Je nach CPU-Baureihe (S7-300, S7-400, S7-1200, S7-1500) können Anzahl und Bezeichnung der LEDs leicht variieren. Die folgende Tabelle zeigt die typischen Anzeigen und ihre Grundbedeutung:

LED-Bezeichnung Farbe Grundbedeutung
RUN Grün CPU im Betrieb, Anwenderprogramm wird ausgeführt
STOP Gelb / Orange CPU gestoppt, kein Programmablauf
SF (System Failure / Sammelfehler) Rot Systemfehler oder Diagnoseereignis liegt vor
BF (Bus Failure) Rot Busfehler - PROFIBUS oder PROFINET gestört
FRCE (Force) Gelb Force-Job aktiv - Variablen werden erzwungen
MAINT (Maintenance) Gelb Wartungsbedarf erkannt (z.B. Firmware-Update empfohlen)

RUN-LED: Normalbetrieb und Auffälligkeiten

Die grüne RUN-LED leuchtet dauerhaft, wenn die CPU ihr Anwenderprogramm zyklisch abarbeitet - das ist der Normalzustand. Ein kurzes Aufblinken beim Hochlauf ist normal und kein Fehlerhinweis.

Leuchtet die RUN-LED gar nicht, obwohl die CPU mit Spannung versorgt wird, befindet sich die CPU entweder im STOP-Modus oder es liegt ein schwerwiegender Fehler vor. In diesem Fall ist der Blick auf STOP und SF entscheidend.

STOP-LED: CPU angehalten

Die gelbe oder orange STOP-LED leuchtet, wenn die CPU nicht läuft. Mögliche Ursachen:

  • Betriebsartschalter steht auf STOP
  • Die CPU wurde über TIA Portal oder einen anderen Client in den STOP-Modus gesetzt
  • Ein Programmfehler hat die CPU in den STOP-Modus gezwungen (z.B. nicht behandelter OB fehlt)
  • Speicherfehler oder Konfigurationsproblem beim Hochlauf

Langsames Blinken der STOP-LED (etwa 0,5 Hz) zeigt an, dass ein Speicher-Reset (Memory Reset) angefordert wurde oder läuft. Schnelles Blinken kann auf einen Anlaufzustand oder einen laufenden Firmware-Update hinweisen - hier immer die Betriebsanleitung der jeweiligen CPU-Baureihe heranziehen, da die Blinkcodes variantenabhängig sind.

SF-LED: Systemfehler und Diagnoseereignisse

Die rote SF-LED (System Failure) ist der wichtigste Alarmgeber. Sie leuchtet, wenn mindestens ein Diagnoseereignis im System vorliegt. Das kann bedeuten:

  • Fehler im Anwenderprogramm (z.B. Zugriffskonflikt, Typfehler)
  • Diagnosefähiges Peripheriegerät meldet einen Fehler
  • Hardware-Diagnose eines CPU-Moduls (z.B. Batterie schwach bei S7-300/400)
  • Fehler in einem angeschlossenen Signalmodul

Die SF-LED allein sagt nicht, wo der Fehler liegt - sie ist ein Sammelsignal. Der nächste Schritt ist immer der Diagnosepuffer.

Diagnosepuffer auslesen

Im TIA Portal öffnet man die Online-Verbindung zur CPU (Online → CPU verbinden) und wählt dann "Diagnosepuffer". Dort sind alle Ereignisse chronologisch mit Zeitstempel, Ereignisklasse und Modulreferenz eingetragen. Dieser Puffer ist das wichtigste Werkzeug zur Fehlereingrenzung und sollte stets als erstes ausgelesen werden, bevor Änderungen an der Anlage vorgenommen werden.

BF-LED: Busfehler auf PROFIBUS oder PROFINET

Die rote BF-LED zeigt einen Kommunikationsfehler auf dem Feldbus an. Bei CPUs mit integriertem PROFINET-Interface wird sie aktiv, wenn:

  • Ein projektiertes PROFINET-Gerät nicht erreichbar ist (Kabelbruch, Gerät ausgeschaltet)
  • Die IP-Adresse eines Teilnehmers nicht stimmt oder doppelt vergeben wurde
  • Ein PROFIBUS-Teilnehmer antwortet nicht (bei PROFIBUS-Mastern)
  • Die Netzwerk-Topologie nicht mit der Projektierung übereinstimmt

Leuchtet die BF-LED, während SF ebenfalls leuchtet, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Peripheriegerät ausgefallen oder nicht erreichbar. Die Kombination SF + BF ohne weiteren Programmfehler weist gezielt auf ein Busprotokoll-Problem hin.

PROFINET-Busfehler eingrenzen

Im TIA Portal gibt die Online-Ansicht der Netzwerktopologie eine schnelle Übersicht: Nicht erreichbare Geräte werden farblich hervorgehoben. Zusätzlich hilft die Funktion "Diagnose → PROFINET-Diagnose", um den betroffenen Port oder das fehlende Gerät zu identifizieren. Bei PROFIBUS empfiehlt sich ein Busmonitor oder das Auslesen der Diagnosedaten des Masters.

FRCE-LED: Vorsicht bei Force-Jobs

Die gelbe FRCE-LED leuchtet, wenn ein Force-Job aktiv ist - d.h. eine oder mehrere Variablen werden durch ein Engineering-Tool auf einen festen Wert gezwungen, unabhängig vom Programm. Das ist ein häufig übersehener Zustand, der zu unerklärlichem Anlagenverhalten führen kann. Vor der Fehlersuche immer prüfen: Ist FRCE aktiv? Force-Jobs müssen bewusst beendet werden ("Force-Job löschen" in TIA Portal oder STEP 7).

MAINT-LED: Wartungsbedarf

Die gelbe MAINT-LED ist ein Hinweis, kein Fehler. Typische Auslöser sind ein empfohlenes Firmware-Update für ein angeschlossenes Gerät, eine Wartungsanforderung aus einer Diagnosefähigen Baugruppe oder ein ablaufender Gerätepuffer. Die Anlage läuft weiter, aber der Hinweis sollte zeitnah im Wartungsplan berücksichtigt werden.

Systematischer Diagnoseworkflow

Eine bewährte Vorgehensweise bei Störungen mit LED-Auffälligkeiten:

  1. LED-Bild erfassen: Welche LEDs leuchten? Dauerlicht oder Blinken? Kombination notieren.
  2. FRCE prüfen: Ist ein Force-Job aktiv? Wenn ja, bewusst entscheiden, ob er beendet werden soll.
  3. Online-Verbindung aufbauen: TIA Portal oder STEP 7 mit CPU verbinden.
  4. Diagnosepuffer lesen: Zeitstempel, Ereignisklassen und Modulreferenzen auswerten.
  5. Bei BF: PROFINET/PROFIBUS-Topologie und Gerätestatus prüfen, Kabelverbindungen kontrollieren.
  6. Siemens-Dokumentation: Für CPU-spezifische Blinkcodes und Fehlernummern immer das Gerätehandbuch und den System- und Standardfunktionen-Abschnitt der jeweiligen Baureihe lesen. Die genaue Bedeutung einzelner Fehlercodes im Diagnosepuffer ist baureihen- und firmwareabhängig.

Mit diesem Vorgehen lässt sich der Großteil der Störungen an SIMATIC S7-Steuerungen zügig eingrenzen, ohne aufwändige Messungen oder Schaltplananalysen - vorausgesetzt, die CPU hat Online-Zugang und der Diagnosepuffer wurde rechtzeitig ausgelesen, bevor ein Neustart die Einträge überschreibt.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet es, wenn die rote SF-LED an der SIMATIC S7-CPU dauerhaft leuchtet?

Die SF-LED ist ein Sammelfehler-Signal und zeigt an, dass mindestens ein Diagnoseereignis im System vorliegt. Das kann ein Programmfehler, ein Fehler an einer angeschlossenen Baugruppe oder ein Hardwareproblem der CPU sein. Die LED allein gibt keine Auskunft über den genauen Ort des Fehlers. Den nächsten Schritt macht man im TIA Portal: Online mit der CPU verbinden und den Diagnosepuffer öffnen. Dort stehen alle Ereignisse mit Zeitstempel und Modulreferenz, sodass sich die Ursache gezielt eingrenzen lässt.

Rote BF-LED leuchtet - was kann ich tun?

Die BF-LED (Bus Failure) weist auf einen Kommunikationsfehler auf PROFIBUS oder PROFINET hin. Häufige Ursachen sind ein nicht erreichbares Gerät im Netz (Kabelbruch, Gerät ausgeschaltet oder falsche IP-Adresse), eine doppelt vergebene IP-Adresse oder eine Abweichung zwischen Projektierung und tatsächlicher Topologie. Zunächst prüft man die physische Verbindung und den Gerätestatus aller projektierten Teilnehmer. Im TIA Portal zeigt die PROFINET-Diagnose oder die Netzwerkansicht, welches Gerät nicht antwortet. Bei PROFIBUS kann ein Busmonitor weiterhelfen.

Die STOP-LED blinkt langsam - was bedeutet das?

Ein langsames Blinken der STOP-LED deutet in der Regel darauf hin, dass ein Speicher-Reset (Memory Reset) angefordert wurde oder gerade durchgeführt wird. Bei manchen CPU-Baureihen signalisiert es auch einen bestimmten Anlaufzustand. Schnelles Blinken kann auf einen laufenden Firmware-Update oder einen internen Selbsttest hinweisen. Da die genauen Blinkcodes je nach CPU-Baureihe und Firmware-Version variieren können, sollte für eine eindeutige Interpretation immer das Betriebshandbuch der jeweiligen CPU herangezogen werden.